16. Todestag von Helmut Sackers: Aufruf zum öffentlichen Gedenken


Am 29.04.2000 – vor nunmehr 16 Jahren – wurde der engagierte Sozialdemokrat Helmut Sackers im Treppenhaus des Plattenbaus, in dem er mit seiner Lebensgefährtin in Halberstadt wohnte, von seinem neonazistischen Nachbarn erstochen. Nur eine Stunde zuvor hatte der 60-Jährige die Polizei gerufen und dem Wohnungsinhaber im Wiederholungsfall mit einer Anzeige gedroht, weil dieser u.a. laut das Horst-Wessel-Lied; das Kampflied der SA, abgespielt hatte. Doch auf Würdigung der Zivilcourage ihres Partners im Rahmen der strafrechtlichen Aufarbeitung hoffte die damalige Lebensgefährtin Helmut Sackers, Heide Dannenberg, jahrelang vergeblich.

Im November 2000 wurde der Angeklagte – völlig überraschend für die Angehörigen von Helmut Sackers – wegen Notwehr freigesprochen. Während die Verlobte des Angeklagten unmittelbar nach der Tat ausgesagt hatte, in der Wohnung gewartet zu haben, bestätigte sie vor dem Landgericht Magdeburg plötzlich die Notwehrversion von Andreas S.: Helmut Sackers habe ihn beleidigt, seinen Hund auf das Pärchen gehetzt und schließlich den 30 Jahre Jüngeren gepackt, um ihn die Kellertreppe hinunterzustoßen. “In Todesangst” habe der Naziskin zum Messer gegriffen und zugestochen. Die große Menge an indizierten neonazistischen CDs, Videos und Propagandaheften, die bei Andreas S. gefunden worden waren, spielten in dem Prozess keine Rolle.

Doch auch der zweite, von den Angehörigen von Helmut Sackers und ihrem Anwalt erstrittene Prozess vor dem Landgericht Halle endete mit Freispruch wegen „intensivem Notwehrexzess“. Trotz der vom Gericht geäußerten „starken Zweifel“ an der Version des Angeklagten wollte das Gericht nicht mit Sicherheit ausschließen, dass die Aussage des Angeklagten nicht der Wahrheit entspräche. Der Freispruch des Neonazis verhöhnt nicht nur Sackers Engagement, sondern macht das Opfer zum Täter.

Gerade weil Helmut Sackers offiziell nicht als Todesopfer rechter Gewalt anerkannt ist, ist ein öffentliche Würdigung umso wichtiger. Deshalb laden wir dazu ein, sich an seinem Todestag gemeinsam an ihn als denjenigen zu erinnern, als der er von seiner Lebensgefährtin und seinen Angehörigen beschrieben wird: ein mutiger Mann, der nicht weghören wollte, sondern eingriff. Und damit zugleich in seinem Sinne zu bekräftigen, wie notwendig Zivilcourage gerade angesichts der massiven Zunahme rassistischer Hetze bis hin zu einer Verdopplung politisch rechts motivierter Gewalt in Sachsen-Anhalt in 2015 weiterhin ist.

Wann? Freitag, 29.04.2016, 18:00 Uhr
Wo? Domplatz Halberstadt (östlich des Doms, oberhalb Hoher Weg auf der Wiese)

Die öffentliche Würdigung Helmut Sackers als Todesopfer rechter Gewalt wird unterstützt von der Mobilen Beratung für Opfer rechter Gewalt und dem BürgerBündnis für ein gewaltfreies Halberstadt.

Weitere Informationen über Helmut Sackers und das bisherige öffentliche Gedenken in Halberstadt finden Sie auf www.rechte-gewalt-sachsen-anhalt.de/todesopfer/helmut-sackers/

Initiative „Würdiges Gedenken“ für Helmut Sackers

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